Was ist meine Absicht?

In jeder Stunde frage ich meine Schüler mit welcher Absicht sie in die Praxis gehen möchten. Das kann Achtsamkeit, Bewusstsein, Gelassenheit, liebevolles Üben oder „Frieden finden“ sein. Man kann die Praxis aber auch einer Sache oder Person, nicht zuletzt sich selbst, widmen.

Eine Intention zu haben macht dir bewusst, für was du da bist. Du bist zentrierter und erinnerst dich an den Wert dessen, was du tust für dich und für andere. Denn bist du entspannt, haben Deine Mitmenschen auch etwas davon oder lassen sich vielleicht sogar anstecken. Inspirierende Worte oder Sätze können unsere Entschlossenheit ausdrücken und helfen, sich zu ordnen.

Natürlich habe auch ich eine Absicht, die ich mir jedes Mal vor dem Unterricht in Erinnerung rufe. Immerhin schenken sich meine Teilnehmer 90 Minuten Ihrer wertvollen Zeit. Und diese Zeit soll ein Geschenk sein. Ich hole den Menschen dort ab, wo er gerade ist. Ob total gestresst von der Arbeit, direkt aus dem Stau, oder genervt, erschöpft, traurig, verärgert, verspannt oder auch gut gelaunt.

Gute Laune wollen wir natürlich beibehalten. Bei mir darf auch gelacht werden. Lachen entspannt! 🙂 Und ich freu mich, wenn’s den Schülern gut geht.
Anschließend kommen wir wieder fabelhaft in die Konzentration. Denn das ist meine Absicht. Ich möchte den Schülern helfen, die 90 Minuten so wertvoll wie nur möglich zu gestalten. Im JETZT anzukommen, den „Monkeymind“ zu beruhigen und sich in seiner ganzen Präsenz wahrzunehmen.

Unsere westliche Kultur ist sehr kopflastig und wir sind meist in der Vergangenheit oder Zukunft. Das Leben findet jedoch in der Gegenwart statt. Das ist das Wertvollste, was wir haben. In der absoluten Gegenwart finden keine Sorgen, keine Ängste statt. Im JETZT werden die Sinne wach. Wir fühlen, schmecken, riechen, sehen viel intensiver, als es sonst möglich ist. Das Leben zieht nicht an uns vorbei. Wir leben es im Moment. Das einzige, was wir tatsächlich besitzen.

Unsere Intuition, das wertvollste Instrument überhaupt, wird viel stärker wahrgenommen. Sie zeigt uns den wahren Weg. Doch sie wird nur im absoluten Bewusstsein wahrgenommen. Dieses einzigartige Werkzeug kann man mit Geld nicht bezahlen. Aber du hast die Möglichkeit, dort durch deinen Gedankendschungel hindurchzudringen. Dein Weg wird leichter, klarer und du sparst viel Zeit. Darum liebe ich YOGA.

Yoga bedeutet Verbindung. Verbindung mit dem Körper, der Seele und dem Geist. Das geht nur in der Präsenz. Deshalb wirst du bei mir im regulären Kurs selten eine zu sportliche oder akrobatische Variante finden, wie es in vielen modernen Yogaschulen der Fall ist. Grenzen dürfen sanft verschoben werden. Das passiert bei regelmäßigem Üben ganz automatisch. Es gibt auch Herausforderungen für jeden. Aber mal ganz ehrlich: höher, schneller, weiter . . . jetzt auch noch im Yoga? Freigelassen für die Olympiade? Spürst du da außer der Muskulatur noch was? Geht es wirklich nur um die Anerkennung von außen? Yoga ist viel mehr und zu kostbar für mich, als es zum Sport verkommen zu lassen. Jedem das Seine. Leben und leben lassen. Dafür gibt es auch eine Vielzahl von Yogalehrern und jeder kann für sich den Richtigen finden.

Zum Sport ist Yoga ein genialer Ausgleich. Da er die Muskeln, Sehnen, Bänder wieder verlängert. Gelenke werden geschmeidiger. Du wirst flexibler und verringerst das Verletzungsrisiko. Schmerzhafte Verklebungen der Faszien können aufgelöst werden und tiefe Muskulatur wird erreicht, was selten in regulären Sportarten der Fall ist. Deshalb finde ich es auch richtig gut, wenn Sportler Yoga nutzen. Und ich war überrascht, wie gut es bei den bisherigen Vereinen ankam, bei denen ich schon Yoga geben durfte.

Kraftaufbau finde ich für das Leben sehr wichtig. Im heutigen Leben brauchen wir Standvermögen und sollten gut geerdet sein, um sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu meistern. Ich baue Kraft im längeren Halten der Positionen auf. So bekommen wir auch die Möglichkeit der absoluten Präsenz. Du beobachtest Dich in der Position, stellst die Muskulatur richtig ein, spürst wo du noch „nachziehen“ oder zurückgehen solltest, um Verletzungen zu verhindern. Nimmst Deine Atmung war und gibst dich der Stellung mit deiner inneren Präsenz hin. Da hat nicht ein Gedanke aus der Zukunft oder der Vergangenheit Platz.

Ebenso ist die Flexibilität des Körpers wichtig. Es macht die Hürden des Lebens leichter überwindbar. Harmoniesucht ist zwar schön, aber wirft dich total aus der Bahn, wenn es mal anders kommt. Dafür ist es wichtig, flexibel und gelassener zu werden.

Es macht mich glücklich, wenn mir Schüler erzählen, wie sie die Werkzeuge aus dem Yoga, sei es die Atmung oder Bewusstheit, mit in den Alltag nehmen.

Meine Absicht liegt darin den Schüler in’s JETZT zu begleiten. Wir überfahren sehr häufig und zu schnell rote Ampeln. Stress ist für mich der größte Auslöser für Krankheiten. Nebenbei ist es wirklich sehr erholsam, nicht alles zum Kampf zu machen und immer öfter über grün zu fahren. 😉

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OM

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Was bedeutet eigentlich das OM?

Wenn ich Yoga gebe, dann beende ich den Unterricht meist mit einem OM. Das ist quasi das Amen des Yoga. Es bedeutet für mich einen rituellen Abschluss des Yoga-Unterrichts und gleichzeitig ein Segnen des Getanen und ein In-sich-kehren. Andere Lehrer tönen es zu Beginn, das ist ganz individuell.

Für Anfänger fühlt sich so was meist fremd an. Manch einer meint sich damit lächerlich zu machen, ist dieses OM doch wirklich sehr klischeebehaftet. Als bodenständige Yogini kann ich mir sehr gut vorstellen, was den Schülern, die meinen Unterricht neu besuchen, so alles im Kopf rum geht. Ich kann es förmlich hinter meinen geschlossenen Augen spüren: „Oh nein! Muss ich das auch tun? Ich will nicht zu dieser Sekte gehören. Ist das ansteckend? Das ist doch Blödsinn! Hoffentlich ist das bald rum. Ist ja peinlich . . .“
Und nun möchte ich dich beruhigen. Nein, du musst es nicht tun. Yoga ist auch keine Religion. Nur vielleicht entgeht Dir etwas . . .

Tatsächlich gehörte ich auch zu dieser Spezies, die sich dem nicht von Anfang an hingeben wollte. Ich war skeptisch, was den ganzen Hokuspokus mit der Spiritualität anging. Da dies allerdings auch zum Ablauf des Unterrichts während meiner Ausbildung dazugehörte, ließ es sich nicht vermeiden, dass ich mich irgendwann dabei ertappte, selbst das OM zu tönen. Meine Skepsis war gewichen und ich tönte einfach mit. Keine Ahnung warum, aber es hörte sich gut an, wenn es von einem ganzen Chor kam. Und ich wollte einfach nur mal wahrnehmen, wie es sich anfühlt, Teil davon zu sein. Es hatte etwas Erhabenes und ich fühlte mich getragen. Und als passionierte Sängerin spürte ich das OM von Anfang bis Ende. Ich holte Atem und tönte langsam dieses OM oder auch AUM (Sanskrit) und nahm am Anfang im Rachen das A wahr, in der Mitte das U und am Ende das M, bis es leicht in meinem Kopf vibrierte. Es hatte sich ein kleiner WOW-Effekt bei mir eingestellt und von da an tönte ich regelmäßig mit. Heute möchte ich es nicht mehr missen.

Nun, ganz schlicht ausgedrückt, dein Körper ist ein Klang- bzw. Resonanzkörper, wie eine Gitarre mit einem Corpus. Beginnt man eine Seite zu zupfen, in diesem Fall den Laut zu tönen, löst dieser Ton Schallwellen in deinem Körper aus, die Du spüren kannst. Deine Zellen und das Zellwasser darin beginnen zu schwingen und Energie entsteht, die du entlang der Wirbelsäule wahrnehmen kannst. Dabei öffnet sich dein Herzraum. Nebenbei hat es einen entgiftenden Effekt. Durch das Singen atmest du mehr ein und vor allem wesentlich mehr aus, als du es im Alltag tust. Das entschlackt und ist wohltuend für dein Nervensystem. Manche glauben, das OM tönen wäre ein Wettbewerb des längeren Tönens. Doch darum geht es nicht. Es ist nur so, dass die Lungenkapazität sich mit jedem Yogaunterricht steigert und dadurch der ein oder andere automatisch länger tönt.

Ich habe unterschiedliches Tönen erlebt. Das kommt ganz auf den Unterricht und Deine Persönlichkeit an. Es hat eine besondere Qualität, es ganz fein zu tönen. Sanft das OM zu empfangen und es sanft zu entlassen. Aber es kann auch wohltuend sein, wenn Du aus dem Vollen schöpfst. Auch die Tonlage ist immer individuell. Der eine liebt es tief, der andere höher. Oft beobachte ich, dass die Höhe des Tons sich an die jeweilige Energieebene (Chakra) anpasst, die wir vorher praktizierten. Und manchmal ist es auch abhängig von der jeweiligen Gemütslage. Betrachte das Tönen doch mal als Experiment, lass deine Vorurteile weg und spür was passiert, wenn du es aus dem Herzen kommen lässt.

„Wenn wir mit dem Herzen auf die
Feinheit und Schönheit in der Musik lauschen,
erleben wir ein Gefühl von vollkommener Harmonie
zwischen Energien unterschiedlicher Qualität –
wie nirgendwo sonst in der Natur.“
Daya Mullins

Ein wenig Philosophie?

Natürlich hat das OM einen philosophischen Hintergrund. OM ist sowohl ein Symbol als auch Klang für die Gegenwart des Absoluten, dem göttlichen Ursprung. Darüber gibt es, je nach Glaubensströmung, unendlich viele Spekulationen. Und ich versuche mich kurz zu fassen, da man darüber ein ganzes Buch schreiben könnte. Nach hinduistischem Verständnis ist OM der Urklang, aus dem das Universum entstanden ist. Physiker beschreiben den Ursprung des Universums als „Urknall“, also ebenfalls als einen Klang, der bis heute nachhallt und den Kosmos mit Energie speist. Das ist durchaus nachvollziehbar, bedenkt man, dass nichts Materielles festen Bestand hat, sondern aus Energie besteht. Energie ist Schwingung und diese wiederum erzeugt einen Klang. Das Absolute drückt sich also aus im OM und schwingt in jedem Atom. Wie im Makrokosmos, so im Mikrokosmos. Alles ist Schwingung.

Sehr schön finde ich die Beschreibung des OM in einem Ausschnitt aus dem Yoga-Philosophie-Atlas von Eckard Wolz-Gottwald:

OM bedeutet das Urwort, das nicht nur alle anderen Worte umfasst. OM umfasst die ganze Welt. OM umfasst sie nicht nur. OM ist das Universum. OM meint parallel zu den Begriffen brahman (das Absolute) oder ātman (individuelles Selbst), die Einheit von Allem. Was darunter zu verstehen ist, wird deutlich, wenn OM als aus vier Teilen bestehend erklärt wird. In der Devanāgarī-Schrift, der Schrift des Sanskrit, ist OM ein einzigartiges Schriftzeichen zugeordnet, das nur diesen Laut zum Ausdruck bringt. Anhand dieses Schriftzeichens werden tatsächlich vier Teile deutlich. Zunächst muss der Laut O als eine Zusammensetzung als A und U gedacht werden. Es folgt als drittes der Laut M. Der Punkt im oberen Teil gilt als der sogenannte Vierte, die unhörbare Dimension von OM. Jedem dieser vier Teile des OM wird nun eine bestimmte Bedeutung beigemessen.

A ist der erste Laut. Mit ihm beginnt nicht nur das lateinische und griechische Alphabet, sondern auch die Devanāgarī. A wird hinten im Rachen gebildet. Es ist der Laut der Öffnung, des Beginns. Er repräsentiert damit auch alles Anfangende beim Menschen und in der Welt, die Lebensphase, in der etwas Neues aufgeht. Als Bewusstseinsform bedeutet A das Wachbewusstsein, das als erstes entsteht, wenn der Mensch Bewusstsein erlangt.

Als zweites folgt das U. Das U ist der Laut der Mitte. Das U steht zwischen dem im Rachen hinten gebildeten A und dem vorne mit den Lippen als Verschlusslaut geformten M. Es ist der Repräsentant für allen Wandel, für das Auf-dem-Weg-Sein und auch für die Lebensphasen des Umbruchs. Als Bewusstseinsform meint U das noch aktive Traumbewusstsein, das hier unterschieden ist vom inaktiven Tiefschlaf. Erst M symbolisiert dann den Tiefschlaf als die Rückkehr, Einkehr, das Ende, das Zur-Ruhe-Kommen und auch das Ende jeder Bewusstseinsaktivität.
Die große Frage bleibt, was mit dem vierten, unhörbaren Teil des OM gemeint ist. Welche Bewusstseinsform weist als vierte über Wachen, Traum und Tiefschlaf hinaus? Das vierte Bewusstsein wird im Sanskrit einfach turīya, der Vierte genannt.

Der Vierte erkennt nicht, ist auch nicht erkennbar, ist nicht fassbar, nicht wahrnehmbar oder ist auch nicht beschreibbar. Und doch geht es um die Essenz des Selbst, um die Erfahrung der göttlichen Ruhe, des Friedens und der Glückseligkeit. Das vierte Bewusstsein, meint nicht eine Phase im ständigen Wandel von Aufgang und Untergang der zeitlichen Welt. Das vierte Bewusstsein umfasst Wachen, Träumen und Tiefschlaf. Wer den vierten, unhörbaren Teil von OM hört, der erfährt den Laut OM in seiner ursprünglichen Einheit. Der erfährt in gleicher Weise die Bewusstheit der Einheit von Allem.

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